Sächsische Zeitung Juli 2006

Schloss für Rüschen
KLEIDEN
Meyenburg zeigt Mode aus sieben Jahrzehnten

Seidenroben und Petticoats, Pailettenkleider und Overalls, Schlapphüte und Federboas:
Für Modeinteressierte ist Schloss Meyenburg ein Mekka. Hier ist Damenbekleidung aus der Zeit zwischen 1900 und 1970 zu bestaunen, rund 350 kostbare Stücke samt Zutaten, Accessoires also. Zehnmal mehr liegt noch im Fundus.
Josefine Edle von Krepl hat die Sammlung in über vier Jahrzehnten zusammengetragen.
Ein schwarzes Satinkleid, das sie als 14-Jährige von ihrer Großmutter bekam, machte den Anfang. Josefine Edle von Krepl studierte Design und Journalismus, arbeitete 13 Jahrelang für die DDR Zeitschrift „Für Dich“, gründete 1980 die erste private Boutique in Ostberlin und übernahm in der Wendzeit einen Antikmodeladen. Seit Jahren organisiert sie historische Modenschauen. Kleider müssen eine Geschichte haben, meint sie. Im Museum werden die Rüschenblusen in wirklichkeitsnahen Situationen inszeniert. Nierentische und Tütenlampen , Originalfotos und Modezeichnungen ergänzen die Kleiderparade. Die Initiatorin des Modemuseums will nicht nur Fummel zeigen, sie will ein „Lebensgefühl vermitteln“.
Wenn die Mode die nächste Rolle rückwärts macht, kann man sich hier die Originale besehen.
Das Schloss n Meyenburg – auf halben Wege zwischen Berlin und Hamburg gelegen – befand sich ab 1364 im Besitz einer Familie von Rohr. Noch bis 1935wurde es von Familienmitgliedern bewohnt. SA-Sportschule und Reichsarbeiterdienst waren die nächsten Nutzer, dann kamen Flüchtlingsfamilien. In der DDR Zeit waren Internat, Kindergarten, Kinderkrippe und Hort untergebracht. 1992 begannen die Restaurierungsarbeiten.
In diesem Frühjahr zog das Modemuseum in den Renaissancebau, das bundesweit zweite nach der fantastischen Sammlung im Schloss Ludwigsburg bei Stuttgart. Ausstellungen und Modeseminare sind geplant.

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