1/2008 Fachzeitschrift ...textil...

Das Modemuseum in Meyenburg

In Brandenburg besuchten 15 Mitglieder der Landesgruppe Schleswig-Holstein/Hamburg das kürzlich entdeckte Modemuseum. Schloss Meyenburg in der Prignitz beherbergt seit 2006 eine Sammlung von 350 Kleidern (aus insgesamt 3000!) und Accessoires, zusammengetragen von Josefine Edle von Krepl. Der Gang durch die Geschichte der Mode des 20Jahrhunderts beginnt in den Kellergewölben des aufwendig restaurierten Schlosses.

In geschickt eingebauten Vitrinen werden Gesellschaftskleider aus der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg präsentiert, dazu Accessoires wie Hüte, Kappen, Handschuhe, auch Schuhe sowie Fotos und Briefe. Wir bewunderten die komplizierte Schnittführung und die kunstvoll gefertigten Biesen, Knöpfe und Knopflöcher, dazu bestickte Kragen und Manschetten. Frau von Krepl wies daraufhin, dass fehlende Kleider aus anderen Gesellschaftsschichten kein Manko der Ausstellung seien, sondern, dass die Kleider der ärmeren Bevölkerungsschichten wirklich bis auf den letzten Fetzen aufgetragen wurden, sodass von ihnen nichts übrig geblieben ist.

  Aus den 20er Jahren - nun waren die Röcke knielang - sind hinreißende Kleider, bestickt mit Perlen und Pailletten, zu sehen.

  Aus der Kriegs- und Nachkriegszeit erinnerte ich mich -wohl als einzige aus der Gruppe - an die Kleider
„aus zwei mach eins“ mit selbst überzogenen Knöpfen und Schnallen und kurzen Röcken wegen der Stoffknappheit.

Beispiele aus den 30er Jahren mit Betonung der weiblichen Formen, mit Puffärmeln und weiten Röcken präsentierten sich auf der nächsten Station.

Dann die Revolution von 1947: der „New Look“ von Christian Dior. Von Wespentaillen und weit schwingenden Röcken waren auch wir fasziniert. Die 60er Jahre zeigen einige Beispiele von Courrege mit geometrischen Schnittformen, ein Mode-Stil, der nach kurzer Zeit wieder verschwand. Der Berliner Modeschöpfer Oesterley stellte im Sinne des Tierschutzes einen Mantel aus Webpelz aus, im Gegensatz dazu ist ein Pelzmantel aus einem Heulerfell zu sehen. Nierentische und Tütenlampen - heute bei jungen Menschen sehr beliebt - umrahmen Kleider aus den 70er Jahren.
An den Wänden der einzelnen Abteilungen weisen Texte auf Geschehnisse nicht nur der Mode-Entwicklungen, sondern auch aus Politik und Literatur hin, dazu erklingt Musik aus jeder Epoche. Das versetzt die Besucherinnen auf anschauliche Weise in die vergangenen Epochen.
Besonderen Reiz erhielt die Führung durch die zahlreichen Geschichten, die Frau von Krepl von den Funden zu berichten wusste, zum Beispiel als ein glitzerndes Knäuel in einer Mülltonne ihre Aufmerksamkeit erregte.

Sie kroch fast in die Mülltonne hinein - die Verantwortung für ihren Kinderwagen überließ sie in der Zeit kurz einer Passantin-, um diesen Schatz zu bergen.

Das Knäuel entpuppte sich als ein Metallfadenkleid der 20er Jahre. Von der Sammlerin fachmännisch gereinigt und repariert vervollständigt es nun die berauschende Sammlung.
Eine andere Geschichte, die uns sehr berührte, ist folgende: Eine betagte Dame, die nicht mehr in der Lage war, ihre Wohnung zu verlassen, bot ein einfaches weißes Baumwollkleid der Sammlerin an. Sie hatte es mit einem grünen Unterkleid zur Verlobung 1914 getragen. Aus Sparsamkeits-gründen wurde das Hochzeitskleid bereits zur Verlobung mit einem farbigen Unterkleid getragen, sodass es nicht nur einmal zur Hochzeit genutzt werden würde. Dieses Kleid wurde jedoch nie als Brautkleid genutzt, denn der Verlobte fiel in den ersten Tagen des Krieges. Frau von Krepl musste zu der alten Dame in die Wohnung kommen, um das Kleid anzusehen und zu übernehmen. Auf einer Modenschau, die Frau von Krepl gerade in dieser Zeit ausrichtete, wurde das Kleid, nun mit einem weißen Unterkleid, von einem jungen Mädchen vorgeführt. Die Organisatorin sorgte dafür, dass die alte Dame an der Modenschau teilnehmen konnte. Diese sah nun hier ihr Hochzeitskleid und war von den Gefühlen überwältigt.

Es gibt sicher noch manches in der Sammlung zu entdecken und von der fachkundigen Sammlerin zu erfahren. Ständig wechselnde Ausstellungen im Eingangsbereich bieten die Chance, einige der weiterhin verborgenen Schätze eventuell betrachten zu können.

Das gemütliche Cafe, in dem die Getränke aus den „Sammeltassen“ der vergangenen Jahrzehnte serviert werden, ist eine weitere Kostbarkeit des Hauses, die den Besucher gefangen nimmt.

Erfüllt von all den Eindrücken verabschiedeten wir uns von Frau von Krepl.
Wir wünschen dem Museum viele Besucher.

  Bericht von:
Erika Cohn
Justus-Brinckmann-Str. 26
21029 Hamburg

Fotos von:
Ingrid Bindzus
Hermann-Löns-Weg 5
21481 Lauenburg




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